Buschfunk-Rezensionen: Kräuterkrimis von Martin Baumann

Kräuterkrimis von Martin Baumann

In jeder Kräuterkrimi-Geschichte stellt Martin Baumann ein Kraut an den Anfang, wie eine mittelalterliche bildausgeschmückte Initiale. Im Buch „Salbei, Dill und Totengrün“ (Gmeiner-Verlag GmbH, 2016) schreibt der Autor über Salbei, Dill, Apfelminze, Hexenkraut, Baldrian, Engelwurz, Goldregen, Thymian, Totengrün (Immergrün).

Dieses Kraut am Anfang spielt in der Geschichte dann auch eine vorrangige Rolle, die aber nicht immer wichtig ist. So ist Dill zwar das vorrangige Gewürz in den zahlreichen Rezepten im Geständnis des Mörders, aber das aktive Kraut ist dann Eisenhut bzw. dessen Gift Aconitin. Allerdings erfährt man über Dill, dass Samen in Brautschuh zusammen mit Senfsamen bei der Trauung und das Murmeln des Sprüchleins „Ich habe Senf und Dill, mein Mann muss tun, was ich will“ auf dem Weg zum Traualtar dazu führt, dass die Ehe aus Sicht der Frau erfolgreich wird.

In beiden Büchern bilden etwas längere Geschichten mit dem Benediktinermönch Pater Gwendal, der auch Pater Majoran genannt wird, einen Rahmen um die mittleren, meist etwas kürzeren Geschichten. In diesen Gwendal-Geschichten werden die Kräuter gerne auch in ihren mythischen Bedeutungen sowohl für die christliche Symbolik als auch die Bedeutung aus den altägyptischen oder griechisch-römischen Götterinnen-Sagen und dann auch noch in ihrer Bedeutung bei keltischen Riten und Gebräuchen behandelt. Für Pater Gwendal sind alle diese Darstellungen Versuche das Heilige, welches nicht sichtbar ist, aber für Gwendal real in allen Lebewesen, in Symbolen und Zeichen zu fassen. Mit dieser Kräuter-Symbolik, der Expertise zur Heilwirkung von Kräutern sowie seiner psychologischen Kompetenz treibt Gwendal die Auflösung der Kriminalfälle maßgeblich voran.

Im Buch „Blutkraut, Wermut, Teufelskralle“ (Gmeiner-Verlag GmbH, 2017) schreibt der Autor über Blutkraut (Hirtentäschel), Wermut, Oregano, Petersilie, Liebstöckel und Teufelskralle

Die mittleren Geschichten reizen durch die Vielfalt der Erzählperspektiven und dem Einfallsreichtum. Einmal schreibt ein empathieloser Frauenausbeuter, der Liebe vortäuscht und die Frauen dann um ein Gutteil ihrer Vermögen erleichtert (Wermut). Dann schlüpft der Autor in die Rolle einer 15-jährigen Entführten, die sich motiviert mit der Vorstellung, was sie alles verhindern müsste, damit ihre Mitschülerin in ihrer Abwesenheit ihren angebeteten und mit Liebstöckel-Smoothies und -Muffins bezirzten Lothar nicht vernascht (Liebstöckel). Schließlich gelingt ihm eine Lobeshymne auf eine Kräuter-Firma, indem er ein Ehepaar als Autorenpaar erfindet, wobei die Frau sowohl den Leitfaden der Geschichte spinnt, indem sie ihren Mann mit Lob angereicherte Vorschläge unterbreitet, als auch am Ende die Sätze ihres Mannes überarbeiten darf (Apfelminze).

In jeder Geschichte gibt es immer wieder eine Erweiterung des Kräuterwissens, in der Wermut Geschichte werden sogar Irrtümer zu Absinth ausgeräumt.

Veröffentlicht in Grüner Daumen.