Buschfunk-Rezensionen: Gartenkrimis von Martina Parker

Der Klub der Grünen Daumen ermittelt.

Die Gartenkrimi-Serie wurde im Jahre 2021 von Martina Parker ins Leben gerufen.

  • Zuagroast – (2021) Immer Ärger mit den Zuagroasten. Paul macht seiner Frau Eva das Leben schwer, doch dann verschwindet er plötzlich spurlos.
  • Hamdraht – (2022) Eine Wellness-Pressereise endet mit einer Leiche im Blaufänkischbad. Die Spur führt an den Wörthersee, wo vor 20 Jahren ein Motorboot-Unfall passierte.
  • Aufblattelt – (2023) Kräuterpädagogin Isabella heiratet einen Adeligen. Doch auf Schloss Hohenfelsen ist nicht alles Gold, was gänzt,
  • Ausgstochen – (2023) Am pannonischen Weihnachtsmarkt liegt der Bürgermeister tot unterm Christbaum. Und Oma Hilda führt eine Fehde mit der Gemeinde.
  • Eintunkt – (2024) Beim legendären Musikfestival picture on findet man eine Leiche am Ruhecampingplatz. Und was wurde aus Rock-Sängerin Alex Woods?

Alle im Gmeiner Verlag erschienen und ergänzt durch das Buch „Aufgedeckt“

  • AUFDECKT – Leben wie im Gartenkrimi (2025)

Rezepte, Tipps und Anekdoten.

Aufdeckt – Das Erinnerungstagebuch für die Generation Landkind in der Version von Martina Parker. Man        findet einige Anekdoten aus den Krimis wieder, aber hier ist der Fokus auf Gerichte und Garten gelegt. Mit          vielen Fotos, Gartentipps, Rezepten und Geschichten von einer Kindheit am Land in den 1970er Jahren.

Alle Krimis spielen im Südburgenland

Sie sind somit auch Regionalkrimis und es werden immer wieder gärtnerische Anekdoten und pflanzenkundliches Fachwissen in die Fäden der Geschichten eingewebt. Martina Parker sprudelt über vor Geschichten und der Erzählfaden des Krimis liegt öfter unter dicken Schichten anderer lebensweltlicher Themen, was gut ist und großen Spaß bereitet und die gesellschaftskritischen Themen der Bücher weit besser ausschattiert als ein simpler gradliniger Krimiplot es könnte.

Das Roman-Debüt Zuagroast wurde unter dem Titel Zuagroast – Ein Gartenkrimi fürs Fernsehen verfilmt.

Ein Beispiel für den Geschichtenreichtum:

Das gesamte Kapitel 45 in „Zuagroast“ hat eigentlich überhaupt keine Bedeutung für den Tod des gewalttätigen Ehemannes. Aber es leuchtet eben die Umständen in der Gruppe der Frauen aus, die sich für ihre Freundin (die Ehefrau) dann später ins Zeug legen, um sie von dem Verdacht zu befreien, dass sie ihren eigenen Ehemann umgebracht hat. Letztlich sind aber genau diese Geschichten, die Würze in den Romanen von Martina Parker, die die Lebenswelt ihrer Figuren sehr schön ausleuchten und in einer sehr sympathischen Weise auch die Charaktere in den Büchern bzw. der Buchserie wachsen lässt. 

Im Kapitel 45 wird überwiegend ein Kräuterseminar wiedergegeben, worin man erfährt, dass die alten Germanen glaubten, dass den Frauen etwas Heiliges und Grandioses innewohnte, und deshalb hörten sie auf ihre Frauen. Das Seminar findet am 15. August statt und das ist eine besondere Zeit, weil jetzt im Hochsommer viele Heilkräuter ihre beste Sammelzeit haben, letztendlich ihre höchste Konzentration an Wirkstoffen. In den nächsten 30 Tagen wurden sie in den alten Zeiten gesammelt. Deshalb wurde diese Zeit auch der „Frauendreißiger“ genannt. Mit der Überformung des Brauchtum durch das Christentum wurde der 15. August zu Maria Himmelfahrt. Aber letztendlich haben kräuterkundige Frauen weiter gesammelt und sich an tradierte, überlieferte Gewohnheiten orientiert. Frauen hat eine besondere Gabe, eine Intuition für Kräuter laut Seminarleiterin. Zumindest war es lange Zeit ihre Aufgabe Kräuter zu sammeln und für die Lagerung zu sorgen. Das schließt auch die Betrachtungen von Pflanzen als magische Wesen oder als Schutz-bietende Wesen ein, die man in dieser Sommerzeit oft auf zu Sträußen bandt oder zu Kränzen, in denen dann entsprechende „magische“ Pflanzen eingeflochten wurden. Dabei erfährt man auch, dass Wurzeln niemals mit eisernen Werkzeugen ausgegraben werden durften, sondern mit besonderen Grabgabeln aus Hirschgeweih oder aus Lindenholz. In der Regel wurden die Ernten von Heilkräutern oder magischen Kräutern auch begleitet von Ritualen oder Sprüchen in dem Glauben, dass man so wirksame und eben auch wohlgesinnte Kräuter erntete. Die Linde und der Hirsch waren bei den Germanen als heilige Wesen angesehen.

Der Brauch Kräuter in dieser Zeit zu sammeln geht auf das keltische Fest Lugh (der Hochzeit von Lugh und der Muttergöttin) zurück und wurde eben christlich überformt, indem man den 15. August zum Mariä Himmelfahrt machte. Eine dazu passsende der Maria-Legenden besagt, dass nach drei Tagen die Apostel ihren Leichnam nicht mehr im Grab fanden, aber das Grab dafür angefüllt war mit Rosen, Lilien und Heilkräutern.

Die in der heutigen Zeit noch erhaltenen Bräuch, z.B. kleine Sträuße in der Kirche segnen zu lassen und in den Herrgottswinkel zu hängen oder andere mit Sprüchlein versehenen Gebräuche werden in diesem Kapitel 45 von den Zuhörern der Referentin eingeworfen und ergänzen die Kräuterstunde.

 

 

Veröffentlicht in Grüner Daumen.