Tschaabgsi-Körbchen

So stellt sich die Grafikerin Maria Theresa Tietmeyer in dem Buch „Die Symbolik der Pflanzen“ von Marianne Beuchert (2004) ein „Tschaabgsi“-Körbchen vor. „Tschaabgsi“ ist ein Mundartwort der Schweiz, das für „beschämt“ steht. Es entspricht dem alten deutschen Wort „Schabab“, das von „abschaben“ kommt und für „Verachtete“ und „Verspottete“ steht. Auch die Geste den ausgestreckten Zeigefinger über den anderen zu reiben, um Spott, Tadel oder Schadenfreude auszudrücken, hat ihre Bedeutung vom „Abschaben“ und heißt deshalb auch oft „Rübchen schaben“.

Weil „Schabab“ aber sehr dem arabischen „Shabab“ (junge Männer), dem Kurznamen der Terrormilizal-Shabaab“ oder auch dem jüdischen „Schabbat“ (Ruhetag) ähnlich klingt, bevorzugen wir das schweizerische Wort „Tschaabgsi“.

Ein Tschaabgsi ist ein Körbchen mit Pflanzen, das dem Verehrer überreicht wurde und damit sehr deutlich machte, dass sein Werben sinnlos ist und er abgewiesen wurde und dass er verschwinden soll („Schieb ab!“). Im Körbchen von Maria Theresa Tietmeyer sind fast alle diese Tschaabgsi-Pflanzen vereint, so dass eine solche Abfuhr-Bekundung sehr extrem gewesen wäre, aber eben auch den sehr großen Aufwand bekundet hätte, um diesen Korb zusammenzustellen. Zumal er wäre nur von Juli bis September, also nur in drei Monaten, so zu pflücken gewesen. Ich glaube daher, Tschaabgsi-Körbchen waren einfacher zusammengestellt, nämlich aus natürlichen Körbchen, die leicht zu finden sind, z.B. Samenkapsel des Stechapfels, und eben Blütenzweigen von einer oder zwei Tschaabgsi-Pflanzen. Das Beispiel hier im Bild besteht aus der Wegwarten-Blüte und der Samenkapsel von Schwarzkümmel (Nigella).  Bedeutung: „Du bist ein Schwächling! Ich will nicht immer allein sein! Schieb ab!“

Veröffentlicht in Grüner Daumen.